moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Die guten Menschen und die sehr guten Menschen

Eine internationale Kosmetikfirma hat Werbung gemacht mit einem dunkelhäutigen Model. Sehr dunkelhäutig. In einem Videoclip zog dieses Model ihren Pullover aus und es erschien eine weißhäutige Frau auf dem Bildschirm. Dann zog diese ihren Pullover aus und nun erschien eine dunkelhäutige Frau.
Das Verfahren läuft wie bei der russischen Puppe in der Puppe in der Puppe. Wäre es eine national-russische Puppe aus Putins Reich gewesen, hätte es vielleicht keinen Ärger gegeben.
Es war aber eine amerikanische Puppe in der Puppe, wenn man das überhaupt so sagen darf und damit explodierte der Skandal.
Wohlmeinende erkannten sofort das perfide Narrativ des Waschmittelproduzenten. Die Werbung, so die Wohlmeinenden, unterstellte, dunkelhäutige Frauen würden so aussehen wollen wie weiße und dazu böte ihnen der Konzern die richtige Seife.
„Rassismus!“ schrieen die Wohlmeinenden. Denn, dass eine dunkelhäutige Frau etwas anderes zu haben wünschen könnte als eine dunkle Haut, ist ihnen schlichtweg unvorstellbar. So zu denken galt als typisches Zeichen weißen Überlegenheitsdünkels. Inakzeptabel! Nicht hinnehmbar! Schwarze denken so nicht!
So etwas durfte nicht sein. Eine schwarze Frau hat gefälligst stolz und begeistert zu sein von ihrer Haut und nie und nirgends etwas anderes wollen.
Jetzt stellt der inkriminierte Seifensieder nicht nur Waschmittel her, sondern auch Sonnenschutzmittel. Diese verkaufen sich gut, weil in jeder Sonnensaison Millionen von hellhäutigen, regelrecht weißen, Frauen ins Freie eilen, um sich bräunen zu lassen. Danach habe sie ein so großes Verlangen, dass sie dafür auch Nachteile in Kauf nehmen, als da wären trockene Haut, Sonnenbrand, Farbveränderungen von hellbraun bis tiefschwarz. Hautkrebs ist eine anerkannte und akzeptierte Begleiterscheinung.
Weiße Frauen tun dies, weil sie, und sei es nur für wenige Urlaubswochen, ihre Hautfarbe verändern möchten. Abgesehen von Hautärzten erregt sich aus dem Sektor der Wohlmeinenden niemand über diese Gewohnheit.
Offenbar dürfen weiße Frauen etwas, was schwarze Frauen nicht dürfen – sich mal `ne andere Farbe wünschen. Während die weiße Frau das Privileg hat, nach individuellem Geschmack und Vorlieben mal in die eine, mal in die andere Richtung der Farbskala Schönheitsideale zu entwickeln, wurde es von den Wohlmeinenden der dunkelhäutigen, erst recht der schwarzen Frau auferlegt, immer nur das eine zu wollen. Den status quo.
Was bedeutet, dass wieder einmal die Dunkelhäutigen zum Objekt degradiert werden, denn sie haben gefälligst so sein zu wollen, wie die Wohlmeinenden entschieden haben.
Niemand aus dem Sektor der Wohlmeinenden beschwert sich darüber, dass der als rassistische verfluchte Konzern auch so genannte selbstbräunende Cremes anbietet. Damit kann sich die modisch flexible Frau sogar ganz ohne Sonne die Hautfarbe einer anderen – „Rasse“ darf man ja wohl nicht sagen – einer anderen Menschlichkeit zulegen. Was natürlich von diesem Konzern schon wieder rassistisch gedacht ist, denn diese selbstbräunende Creme ist ja wohl einzig auf die weiße Kundschaft zugeschnitten, die dunkelhäutige wird als Konsumentin nicht einmal in Betracht gezogen und kann sehen, wo sie bleibt.
Egal, was man tut, die Wohlmeinenden haben recht und sind laut. Und wenn die Wohlmeinenden entscheiden, dann entscheiden sie immer richtig, denn sie sind die einzig wahren Wohlmeinenden.
Die internationale Kosmetikfirma hat sich entschuldigt und die Werbekampagne zurückgezogen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zufolge ist es überhaupt nicht möglich, allein durch Waschen seine Hautfarbe zu verändern. Aber das interessiert in diesem Zusammenhang ja wohl niemanden.

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Das Olfener Loch ist zu

Weil ich kürzlich einen Text zu einer Anthologie beisteuern sollte, habe ich noch mal in mein Buch „111 Orte im Münsterland, die man gesehen haben muss“ geschaut.
Für die Anthologie war der Text über das Olfener Loch ausgewählt worden. Darin ging es um die vermutlich originelleste Problem-Lösung, die je im Münsterland erdacht worden war.
Nun musste ich feststellen, dass seit einiger Zeit das Loch nicht mehr existiert. Es wurde verfüllt. Also wurde aus einem Reisehinweis ein Nachruf, ein Nachruf auf ein schönes Stück Münsterland.

Das Olfener Loch
Die Geduld der Verwaltung ist begrenzt

Die Geschichte beginnt damit, dass Olfen (»das Tor zum Münsterland«) beschloss, ein Naturbad mit Wasserspielplatz zu bauen. Naturbad deshalb, weil man zurück zur Natur wollte, also wurde das Bad auf einem freien Feld vor der Stadt errichtet. Es ist nur im Sommer geöffnet, wenn es heiß ist, und nicht im Winter, wenn man das Becken beheizen müsste. Das Projekt wurde sehr gut angenommen, der Olfener an sich war entzückt. Es gab nur ein Problem: Die Zufahrt zum Naturbad biegt ab von einer wunderschönen, doppelreihigen, schnurgeraden Allee, einem Bild von einer Allee. Zur einen Hälfte war diese eine Wohnstraße. Hier litten die Anlieger darunter, dass vor ihren Häusern der Autokorso der Schwimmbadbesucher vorbeidonnerte, testosterongeplagte Jungmänner mit zu vielen PS unter der Haube. Also wurde diese Hälfte der Allee gesperrt, es blieb ja noch die andere, die unbewohnte. Aber die Autofahrer interessierten sich nicht für die Hinweisschilder. Daher wurden zur Verstärkung Pylone aufgestellt, die aber auch keine Wirkung zeigten.


Offenbar entspann sich ein Wettkampf zwischen Verwaltung und Freibadnutzern um die Frage, wer wem den Spaß verdirbt. Die Verwaltung reagierte unkonventionell: Weil alle Sperrmaßnahmen nicht fruchteten, ließ sie in die schnurgerade Allee ein rechteckiges Loch graben und schön mit Asphalt auskleiden. Dazu kamen zur Warnung zusätzliche Warnschilder und Pylone.

Hier kann nur durchfahren, wer eine Spurbreite wie ein Lkw oder Traktor hat, Pkws werden notwendig mit einem Rad ins Schlagloch rauschen. Das geht auf den Reifen, auf die Achse, und man muss den Abschleppwagen holen.

Plötzlich war Ruhe. Jedenfalls in der Allee. An andere Stelle wurde noch immer eine heftige Debatte geführt, ob die Verwaltung so mit ihren Bürgern umgehen darf. Eine Abstimmung über das Thema endete jedoch mit einem Ergebnis 65:35 – pro Loch!

Adresse Alleeweg, 59399 Olfen
Pkw A43, Ausfahrt Haltern, auf der B 58 Richtung Lüdinghausen, Hullerner Straße, rechts ab auf K8 Kökelsumer Straße, rechts in Alleeweg.
Tipp Die Dreibogenbrücke über die Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals, hier kann man in einer lauen Sommernacht tun, wonach ein romantisches Gefühl verlangt.

 

 Leider gibt es diese einzigartige Verkehrsordnung nicht mehr. Verwaltung und Bürger haben sich geeinigt.

Für die Neuauflage der „111 Orte…“ wird nun ein neuer Ort gesucht. Ich bin unterwegs.

Strasse der Demokratie

Orte der Demokratie
Unterwegs an Main und Rhein

Ich bin gereist an Orte, an denen im 19. Jahrhundert die deutsche Demokratie erstritten wurde: Assmannshausen, wo Ferdinand Freiligrath in der Krone ( heute 5 Sterne) sein politisches „Glaubensbekenntnis“ dichtete.

Dann Hallgarten, wo Adam von Itzstein bei reichlich Riesling Freunde und Demokraten sammelte.

Auf die Burg Königstein, wo die Anhänger des Mainzer Jakobinerklubs inhaftiert waren,

 


und Mainz sebst, wo sich in der Brauereikneipe „Zum Goldstein“ 1848 eine wüste Schlägerei zwischen Preußen und Demokraten zum Aufstand auswuchs.

Dann Frankfurt mit der Paulskirche, dem ersten Versuch eines deutschen Parlaments.

Die Reise hat Spaß gemacht. Ich wage die These, dass die deutsche Demokratie entstanden ist aus Lebensfreude und Genusssucht. Riesling und Bier waren unverzichtbar bei der Durchsetzung dieser Vision. Ohne die beiden, und ohne die Freude am schönen Leben, wäre die deutsche Demokratie nie entstanden.

Detaillierte Begründungen meiner zutiefst demokratischen und menschenfreundlichen These sende ich im Deutschlandfunk Kultur am 17. September um 11.05.

Ist gut zu hören! Und: Wohl sein!

Skulp-touren in Münster

In Zehnjahresabständen veranstaltet Münster eine große Skulpturenschau. Die Stadt ist die Galerie, an allen möglichen Orten sind moderne Skulpturen aufgestellt, noch zusätzlich dazu sind etliche aus früheren Schauen in der Stadt geblieben und können besucht werden. Nach und nach, über die Jahrzehnte verwandelt sich die Stadt allmählich in ein Großraum-Museum. Das wäre eine Reise wert – schon heute.

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Münster – es regnet gern mal in Münster, also macht man aus der Not eine Tugend eine Skulptur

Meine Lieblingsskulptur – und das sagt wahrscheinlich einiges über mein Kunstverständnis aus – ist noch immer das Kunstklo unter dem Marktplatz. Über Jahre hatten sich Menschen beschwert, wenn man mal müsse, könne man nicht, weil die öffentlichen Toiletten so unästhetisch seien. Also hat Hans-Peter Feldmann bei der skulptur projekte münster 2007  die Damen – und Herrenklos unter dem Markt künstlerisch aufgewertet.

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Jetzt sehen sie aus wie die Dekoration einer Peking-Oper (zumindest der männliche Sektor, auf der anderen Seite war ich nicht, um Ärger zu vermeiden), was aber den Aufenthalt deutlich angenehmer macht. (Mehr dazu in meinem Buch „111 Orte im Münsterland, die man gesehen haben muss“)

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Die Gegenwart sieht zum Beispiel so aus: Koki Tanaka hat acht Menschen aus Münster an einem Tisch zusammen geholt, um über die Frage zu diskutieren Wie zusammen leben ? Die Gespräche wurden aufgezeichnet und werden nun in acht Videosequenzen abgespielt – in kalten, gekachelten Räumen, die früher vielleicht zu einer Großküche oder einer Schlachterei gehört haben. In einem ganz und gar unheimeligen Raum werden Erfahrungen verglichen und wird die Zukunft der Menschheit diskutiert. Mir erschien das beklemmend und herausfordernd zugleich.

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Eine der weniger verständlichen Einrichtungen: Eine erkennbar zwecklose Unterführung, die auf einem Parkplatz auf der einen Seite hinunter, auf der anderen hinaufführt. Man hätte auch auf gleicher Ebene um das Ganze herumlaufen können. Der Durchgang ist versperrt. Offiziell heißt es: „Bartholl setzt sich … mit der zunehmenden Digitalisierung auseinander. Die drei Installationen … basieren auf thermoelktrischen Apparaturen, die Feuer – das erste Kommunikationsmedium überhaupt – direkt in elektrische Energie umformen.“

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Was sich dem Betrachter, der staunend vor dem verschlossenen Geländer steht, einfach nicht mitteilen will. Andererseits kann natürlich sein, dass diese Tiefbauplastik uns daran erinnern will, dass alljährlich viele Millionen Steuergelder durch falsch geplante Maßnahmen verschleudert werden – aber daran muss uns nun wirklich kein Künstler erinnern. Wir lesen alle die Zeitung… Also die Frage: Was soll uns das?

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Dean Martins Skulptur beginnt vor dem LWL Landesmuseum (fabelhafter Bau!) Was diese darmartige Verschlingung darstellen soll, bleibt geheimnisvoll. Jedenfalls ist sie – laut Kuratoren-Beschreibung – der äußerliche Teil einer Installation, die auf der Straße beginnt, dann ins Gebäude hineinführt, ohne dass deutlich wird, zu welchem Zweck sich die Materialien, die aussehen wie aus einem Abrisshaus entwendet, hier versammelt haben.

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Der Lichthof des LWL ist mit Plastikplanen verhängt, in die Gucklöcher eingeschnitten sind, und zwar in Augenhöhe des Künstlers Michael Dean, seiner Frau und seiner Kinder, was auf eine märchenhafte Weise bedeutungsvoll erscheint, sonst hätte uns der Kurator das nicht eigens mitgeteilt, nehme ich an.

Wenn man sich darüber beklagt, dass Kunst gelegentlich sehr hermetisch sein kann und nur Vorgebildeten zugänglich – dasselbe gilt für die dazu gehörende Katalog-Lyrik. Auch sie ist fern der täglichen Verständigung.

Nachdem das Werk von der Straße in das Museum gelangt war, wo es zu einem musealen Kunstobjekt geworden war, verlässt es als solches wieder das Museum und geht hinaus auf die Straße -das ergibt Sinn, wenn man einen Katalog schreibt, aber der Münsteraner ist an diesem Sinn nicht interessiert – wohl aber an einer Stange, an der er sein Fahrrad anschließen kann, denn Münster ist eine Fahrradstadt.

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Die hermetische Variante der Kunst ist aber nur die eine Seite – dann gibt es noch eine Kunst, die man gleich versteht, wie diese Gruppe von Nicole Eisenmann.

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Die herumlungernde Gestalten sind nur locker bekleidet und bilden ein „queeres Arkadien“. Eisenmann betone, sagt der Katalog, Körperlichkeit und Sexualität.

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Und das scheinen im katholischen Münster einige Menschen von der ganz streng bürgerlichen Fraktion nicht geschätzt zu haben, jedenfalls wurde der Figur auf der linken Bildseite der Kopf abgeschlagen.

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Es ist halt doch was Eigenes, aber irgendwie Reizendes mit der Kunst.

Tauber, DHL und die tachogene Weltfremdheit

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat einen Aufreger produziert. Er hat einem Gesprächspartner auf Twitter geschrieben: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“
Dazu kann man Unterschiedliches sagen: Manche werfen Tauber wegen seiner herablassenden Art „Arroganz der Macht“ vor. Ich würde von „Arroganz des Arbeitnehmers“ sprechen – Peter Tauber hat Geschichte studiert und das Studium sogar abgeschlossen, hat es aber nur bis zum höchst umstrittenen Generalsekretär der CDU gebracht. Ich sehe also keinen Grund, arrogant zu werden.
Dass er nun erneut einige Wählerstimmen abgeschossen hat, wird bei etlichen in der CDU den Gedanken aufkommen lassen, ein Minijob wäre für Peter Tauber doch eher das, was seinen Fähigkeiten am besten entspricht.
Die anderen fragen sich, ob Peter Tauber was Ordentliches gelernt hat, weil er in der deutschen Grammatik Unsicherheiten zeigt: In Falle seines Tweets hätte man „Ordentliches“ groß schreiben müssen.
Ich denke an den Philosophen Odo Marquard, den Tauber während seines Geschichtsstudiums in Frankfurt gelesen haben sollte. Marquard hat den Begriff der „tachogenen Weltfremdheit“ geprägt. Er meinte damit, dass die Menschen, die aus der Evolution ein eher gemächliches Tempo gewohnt sind, sich in einer Welt zunehmend fremd fühlen, in der die Technik sich rasend schnell entwickelt und alles verändert.
Andere Philosophen widersprachen: Die meisten kämen gut mit ihren Autos zurecht, obwohl sie nicht wüssten, wie der Anlasser funktioniert. Oder sie könnten von ihrer Armbanduhr die Zeit recht präzise ablesen, obwohl sie von der Elektronik darin keinerlei Verständnis hätten.
Odo Marquard galt als widerlegt.
Nun kommt Peter Tauber. Und twittert. Er benutzt ein Medium, das sehr modern und sehr schnell ist. Und da geschieht ihm, dass die Rasanz dieses Mediums die evolutionsbedingte Bräsigkeit seines Denkens einfach stehen lässt. Eigentlich sollte Peter Tauber seine Gedanken vor der Veröffentlichung zwei oder drei Mal überprüfen. Und sich die Frage stellen: Ist es richtig, was ich denke? Ist das, was mir im Kopf umher geht, wirklich sinnvoll? Muss es sein, dass ich jetzt was sage oder halte ich besser den Mund?
Wenn er seine wacklige Position in der CDU richtig einschätzt, wäre letzeres sicher die beste Option gewesen.
Aber nein, verführt durch die technischen Möglichkeiten des Mediums feuerte Tauber seinen Gedankenblitz ab, so, wie er entstanden war.
Wir kennen das bereits von Donald Trump, dem Gott der peinlichen Bemerkungen. Trump hat den Politikern dieser Welt vorgemacht, wie man in hoher Kadenz Bemerkungen raushaut, die sachlich falsch und im Tonfall beleidigend sind. Gäbe es die Technologe des Twitterns nicht, könnte eine nachgeordnete Stelle in Trumps Administration vielleicht noch helfend, korrigierend, beschwichtigend eingreifen – aber die Technik des schnellen Mediums verführt dazu, den ersten Gedanken gleich für den besten zu halten und in die Welt zu posaunen.
Odo Marquard hatte doch recht! Trump und Tauber sind beklagenswerte Opfer des Fortschritts, das Hirn ausgesogen von der atemberaubenden Beschleunigung der Technik.
Sind sie Einzelfälle? Bei weitem nicht: Erst vor kurzem hat der Postzulieferer DHL bekannt gegeben, er werde Pakete zum Mond liefern. In drei unterschiedlichen Größen. Technisch sei das jetzt möglich. Begeistert von den maschinellen Optionen hatten die Paketboten vergessen, dass es dort keine Empfänger gibt. Dass der Quatsch technisch denkbar, aber vollkommen sinnlos ist. So wie ein Tweet von Trump oder Tauber.
Auch DHL ist ein Opfer der „tachogenen Weltfremdheit“ geworden.
Andererseits – man will ja nicht übertrieben skeptisch sein. Ich wohne in einem Dachgeschoss. Seit Jahren bekomme ich keine Pakete mehr zugestellt, sondern nur noch Benachrichtigungen in den Briefkasten im Erdgeschoss geworfen. Dann kann ich mir mein Paket selbst abholen.
Sollte es DHL eines Tages schaffen, einen Empfänger auf dem Mond ausfindig zu machen und ihm ein Paket zu bringen, könnten sie auf dem Weg dorthin auch bei mir liefern. Das wäre mal ein technischer Fortschritt, an den ich mich gewöhnen könnte.

Soeben erschienen

Meine neues Buch – über Brandenburg. Mit Geschichte und Geschichtchen. So wie das Land ist.

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Und darum geht`s:

Brandenburg, das Kernland Preußens, galt immer als ein beklagenswert dürres Land. „Des heiligen römischen Reiches Deutscher Nation Streusandbüchse“ lautete jahrhundertelang sein Spottname, weil hier landwirtschaftlich nicht viel zu holen war. Die Kargheit der Region übertrug sich auch auf die Namensgebung der Herrscherhäuser – der amtierende Regent war entweder ein Wilhelm oder ein Friedrich. Aus einem kreativem Überschwang heraus nannten sich einige der Hohenzollern auch Friedrich-Wilhelm, aber erschrocken vor so viel Vielfalt kehrten sie gleich zu der Gewohnheit zurück, die Herrscher staubtrocken durchzunummerieren. Für die Geschichtsschreibung hat diese Fantasiearmut zur Folge, dass man höllisch aufpassen muss, bei welchem der Friedrichs oder Wilhelms oder Friedrich-Wilhelms man sich gerade aufhält.

Brandenburg-Preußen war immer auf Berlin konzentriert. „Ein Berliner Witz ist mehr wert als eine schöne Gegend“,  soll Philosoph Georg Wilhelm (!) Friedrich (!) Hegel gesagt haben. Für jemanden, der es bei dem Versuch, dem Zwang der preußischen FrWi-Tradition zu entkommen, nicht sehr weit geschafft hat, war das ein ziemlich kesser Spruch. Man könnte einräumen, dass hier die Gedankenvernarrtheit des Hegelschen Idealismus in einem hübschen Aphorismus zusammen gefasst wurde,  aber auf den Boden der tatsächlichen Wirklichkeit zurückgekehrt muss man sagen: Hätte er nur seinen Katheder in der Humboldt-Universität zu Berlin verlassen und wäre er mal nach Brandenburg gereist!

Brandenburg bietet Landschaft im Überfluss, die heute vielleicht noch mehr als früher geschätzt wird. Und diese Landschaft bietet, wie die Skulpturen und Monumente in einer gestalteten Park, viele Zeugnisse einer aufregenden Geschichte. Militärgeschichte natürlich, das ist beim Thema „Preußen“ unvermeidlich, aber auch Geistes- und Wirtschaftsgeschichte. Man kann den Führer zu „111 Orten in Brandenburg, die uns Geschichte erzählen“, Episode für Episode lesen, um sich eine Vorstellung von Brandenburg zu machen, man kann aber auch diese Orte zu einer Reise-Route zusammenstellen und dabei den unmittelbaren Eindruck auf sich wirken lassen. Beides ist möglich und beides ist schön.

 

Mehr kommt später…

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Berlin im Nebel – eine Verbrecherstadt      

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2016-nov-nahe-rosenthaer-platz-2       Von wegen Kaffee! – Berlin nahe Rosenthaler Platz

Amsterdamer Bahnhof & Flügel & Kultur

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Ich stelle mir vor, dieser Flügel, der in Amsterdam im Hauptbahnhof steht, stünde in Berlin im Hauptbahnhof.
Gleich stellen sich folgende Fragen:
– welche Behörde würde das genehmigen? (Unfallgefahr! Haftung! Wegerecht!)
– wie lange braucht es, bis der erste Srayer kommt ?
– wie lange braucht es, bis der Flügel mutwillig verstimmt oder ramponiert wäre?
– wann würde die AfD Einspruch erheben: Schwarzer Flügel! Unmittelbar vor dem Kanzleramt!

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Saurier & Angst & Schrecken

 

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Schon allein für das lustvole Gruseln möchte man noch mal Kind sein. Ein Abenteurer in verlorenen Welten mit unbekannten, kaum auszumalenden gurseligen Gefahren. Wo riesige Saurier, die noch größer und lauter sind als die Erwachsenen Angst und Schrecken verbreiten. Soviel Schrecken, dass nur der ganz besonders mutige Jäger den Saurier töten kann. Mit dem Spieß! Oder dem Schwert? Wahrscheinlich doch ein Spieß!

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Und dann läuft einem wieder so ein dicker, ungehobelter Erwachsener mit Glatze und schlechten Zähnen durch das Bild und man weiß, man ist kein Kind mehr, dies ist keine verlorene Welt, sondern das Naturkundemuseum in Berlin.

So ein Spieß könnte aber hilfreich sein…

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