moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Monat: September, 2017

Das Olfener Loch ist zu

Weil ich kürzlich einen Text zu einer Anthologie beisteuern sollte, habe ich noch mal in mein Buch „111 Orte im Münsterland, die man gesehen haben muss“ geschaut.
Für die Anthologie war der Text über das Olfener Loch ausgewählt worden. Darin ging es um die vermutlich originelleste Problem-Lösung, die je im Münsterland erdacht worden war.
Nun musste ich feststellen, dass seit einiger Zeit das Loch nicht mehr existiert. Es wurde verfüllt. Also wurde aus einem Reisehinweis ein Nachruf, ein Nachruf auf ein schönes Stück Münsterland.

Das Olfener Loch
Die Geduld der Verwaltung ist begrenzt

Die Geschichte beginnt damit, dass Olfen (»das Tor zum Münsterland«) beschloss, ein Naturbad mit Wasserspielplatz zu bauen. Naturbad deshalb, weil man zurück zur Natur wollte, also wurde das Bad auf einem freien Feld vor der Stadt errichtet. Es ist nur im Sommer geöffnet, wenn es heiß ist, und nicht im Winter, wenn man das Becken beheizen müsste. Das Projekt wurde sehr gut angenommen, der Olfener an sich war entzückt. Es gab nur ein Problem: Die Zufahrt zum Naturbad biegt ab von einer wunderschönen, doppelreihigen, schnurgeraden Allee, einem Bild von einer Allee. Zur einen Hälfte war diese eine Wohnstraße. Hier litten die Anlieger darunter, dass vor ihren Häusern der Autokorso der Schwimmbadbesucher vorbeidonnerte, testosterongeplagte Jungmänner mit zu vielen PS unter der Haube. Also wurde diese Hälfte der Allee gesperrt, es blieb ja noch die andere, die unbewohnte. Aber die Autofahrer interessierten sich nicht für die Hinweisschilder. Daher wurden zur Verstärkung Pylone aufgestellt, die aber auch keine Wirkung zeigten.


Offenbar entspann sich ein Wettkampf zwischen Verwaltung und Freibadnutzern um die Frage, wer wem den Spaß verdirbt. Die Verwaltung reagierte unkonventionell: Weil alle Sperrmaßnahmen nicht fruchteten, ließ sie in die schnurgerade Allee ein rechteckiges Loch graben und schön mit Asphalt auskleiden. Dazu kamen zur Warnung zusätzliche Warnschilder und Pylone.

Hier kann nur durchfahren, wer eine Spurbreite wie ein Lkw oder Traktor hat, Pkws werden notwendig mit einem Rad ins Schlagloch rauschen. Das geht auf den Reifen, auf die Achse, und man muss den Abschleppwagen holen.

Plötzlich war Ruhe. Jedenfalls in der Allee. An andere Stelle wurde noch immer eine heftige Debatte geführt, ob die Verwaltung so mit ihren Bürgern umgehen darf. Eine Abstimmung über das Thema endete jedoch mit einem Ergebnis 65:35 – pro Loch!

Adresse Alleeweg, 59399 Olfen
Pkw A43, Ausfahrt Haltern, auf der B 58 Richtung Lüdinghausen, Hullerner Straße, rechts ab auf K8 Kökelsumer Straße, rechts in Alleeweg.
Tipp Die Dreibogenbrücke über die Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals, hier kann man in einer lauen Sommernacht tun, wonach ein romantisches Gefühl verlangt.

 

 Leider gibt es diese einzigartige Verkehrsordnung nicht mehr. Verwaltung und Bürger haben sich geeinigt.

Für die Neuauflage der „111 Orte…“ wird nun ein neuer Ort gesucht. Ich bin unterwegs.

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Strasse der Demokratie

Orte der Demokratie
Unterwegs an Main und Rhein

Ich bin gereist an Orte, an denen im 19. Jahrhundert die deutsche Demokratie erstritten wurde: Assmannshausen, wo Ferdinand Freiligrath in der Krone ( heute 5 Sterne) sein politisches „Glaubensbekenntnis“ dichtete.

Dann Hallgarten, wo Adam von Itzstein bei reichlich Riesling Freunde und Demokraten sammelte.

Auf die Burg Königstein, wo die Anhänger des Mainzer Jakobinerklubs inhaftiert waren,

 


und Mainz sebst, wo sich in der Brauereikneipe „Zum Goldstein“ 1848 eine wüste Schlägerei zwischen Preußen und Demokraten zum Aufstand auswuchs.

Dann Frankfurt mit der Paulskirche, dem ersten Versuch eines deutschen Parlaments.

Die Reise hat Spaß gemacht. Ich wage die These, dass die deutsche Demokratie entstanden ist aus Lebensfreude und Genusssucht. Riesling und Bier waren unverzichtbar bei der Durchsetzung dieser Vision. Ohne die beiden, und ohne die Freude am schönen Leben, wäre die deutsche Demokratie nie entstanden.

Detaillierte Begründungen meiner zutiefst demokratischen und menschenfreundlichen These sende ich im Deutschlandfunk Kultur am 17. September um 11.05.

Ist gut zu hören! Und: Wohl sein!