moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Monat: März, 2016

Gamehl & Maschine & Currywurst

Gamehl – etwas südlich von Wismar. Das Hotel Schloss Gamehl wurde 2013 von den Zuschauern des NDR zum schönsten Schloss des Nordens gewählt , das ist schon was. Hier gab es im Rahmen der Gamehler Gespräche einen Talk mit Puhdy Frontfigur Dieter „Maschine“ Birr.

 

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Maschine mit Moderatorin Gisela Steinhauer und Schlossherrin Dagmar von Stralendorff-von Wallis .

Was schon ein wenig eigenartig ist – dass er sich gleich mit „Maschine“ vorstellt, so als sei dies der einzig gültige Name, egal, was das Melderegister sagt.

Maschine erzählte Anekdoten aus der Frühzeit, als die Puhdys noch englische Songs nachsangen. Sie trafen auf Engländer, die ihre Musik mochten, aber der Überzeugung waren, sie hätten deutsch gesungen. Maschine: „In der DDR konnte sowieso keiner Englisch“, also war es egal, was sie vor sich hingenuschelt haben.

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Maschine ist süchtig nach Currywurst, also musste er aus der Schloss-Hotel-Küche eine Wurst probieren – und war hochzufrieden. So hoch zufrieden, dass er sich beim anschließenden Abendessen, als die anderen zu Ochsenbäckchen und Rindsrouladen griffen, eine weitere Portion Currywurst bestellte.

 

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Natürlich muss gesungen werden – „Alt wie ein Baum“ zum Beispiel singt nur noch das Publikum, Maschine spielt Gitarre und hört zu.

Maschine hat mich als neuen Fan bekommen – er ist angenehm souverän nach 47 Jahren auf der Bühne, nuschelt sorgfältiges Berliner Idiom und hat sich systemübergreifend nur um seine Musik gekümmert.

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Venedig & Reski & fliegende Spaghetti

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Kurzbesuch in Venedig, um ein Interview mit der Mafia-Expertin und Krimi-Autorin Petra Reski aufzunehmen. In den ersten zwei Tagen regnete es Bindfäden. Auffällig war, dass dessen ungeachtet die Einheimischen – im Februar gibt es sie noch – Sonnenbrillen trugen. Entweder auf der Nase, was den Zweck der Sehhilfe bei Regen in sein Gegenteil verkehrte, oder aber zurückgeschoben auf den Haaren (gleichsam in ständiger Bereitschaft). Anthropologisch betrachtet, handelt es sich um einen offenkundig archaischen Ritus, der zelebriert wird, um die Sonne anzulocken.

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Die Kaufrausch-Lady an der Wand, den Körper bedeckt mit Markennamen, ist ein Wahrzeichen. Es gibt ca. 56 000 Einwohner im historischen Zentrum Venedigs, die Bewohner am Rande der Lagune nicht mitgezählt. Sie treten gegen jährlich 30 Mill. Touristen an. Man kann also erschließen, wen die die Karikatur darstellt. Vielleicht ist damit aber nicht eine einzelne Person gemeint, sondern pars pro toto eines der großen Kreuzfahrtschiffe, die regelmäßig die Stadt heimsuchen und Ströme von Touristen in  die Gassen schwemmen.

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Wuppertal & Regen & kulturwütige Bürger.

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Vier Tage in Wuppertal. Wuppertal ist die deutsche Großstadt mit den höchsten Niederschlagsmengen und ein guter Teil davon ist in den vier Tagen auf mich heruntergegangen. Wuppertal hat ein Imageproblem, weil es immer nur in den Schlagzeilen steht, wenn das Geld knapp wird und Kulturleistungen gekürzt werden.

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Aber Wuppertal ist auch die Stadt, in der in vielen Vereinen die Bürger dafür sorgen, dass sie eine lebhafte Kulturszene erhalten oder gestalten.
Die Sendung darüber „Deuschlandrundfahrt – Wuppertal schwebt“ lief am So. 6.3. um 11.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur.
Und ich werde im Sommer wieder dort sein. Ausstellungen, Konzerte, Tanz.

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Flensburg & kleine Gänge & Welches Land wollen wir sein?

Ich bin in Flensburg gewesen, um eine Diskussion zu beobachten. „Welches Land wollen wir sein?“ lautet der Titel und die zentrale Frage einer Reihe von Veranstaltungen, die vom Sozialpsychologen Harald Welzer ins Leben gerufen wurde. Sie zieht in den kommenden Monaten durch Deutschland, dann auch durch Österreich und die Schweiz.

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Detlev Buck und Kathrine Hoop

Angesichts der Flüchtlingsströme und der Debatte, die zu diesem Thema hochgekocht sind, ist es offenbar notwendig, sich darüber zu verständigen, wie das Land aussehen soll, in dem wir leben wollen: Ein solidarisches Land? Ein gespaltenes Land? Ein Land, in dem Abenteuer möglich sind?
Flensburg ist für solch eine Debatte ein guter Ort, denn vor wenigen Wochen, nachdem Dänemark die Grenzen geschlossen hatte, strandeten Tausende von Asylsuchenden in Flensburg, am letzten Bahnhof vor Dänemark. Sie wurden in einer beispielhaften Aktion von Freiwilligen versorgt, die gezeigt haben, was möglich ist.
Die Diskussion (das AudiMax war überfüllt, ein zweiter Hörsaal musste geöffnet werden) verlief norddeutsch diszipliniert, die Grundstimmung war optimistisch, die Redebeiträge sehr ruhig und besonnen, selbst wenn Sorgen geäußert wurden. Natürlich gab es auch Leute, die ihre eigene Agenda abarbeiten mussten. Zwei Teilnehmer glaubten, dass es die Länge ihrer Beiträge sei, die ihren Thesen Gewicht verleihen würde – aber sie wurden ruhig vom Publikum darauf hingewiesen, dass man ihnen nicht mehr zuhören wolle.

Am nächsten Tag war noch Zeit für einen Gang durch die Altstadt. Eine Entdeckung für mich, der ich zum ersten Mal in Flensburg war: Die St.Nikolai-Kirche am Südermarkt mit einem gewaltigen Orgelprospekt. Da hat seinerzeit eine wohl sehr wohlhabende Gemeinde vorgeführt, was sie zur Ehre Gottes und zum Lobe der eigenen Frömmigkeit in den Sammelbeutel werfen kann. An der Front zur Marktseite hing über die gesamte gotische Höhe ein Werbebanner mit zahllosen Porträts sehr unterschiedlicher Gesichter. Dazu das Resümee „So bunt ist Flensburg“.
Und wer behauptet immer, die Stimmung kippt?

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Flensburg hat eine Touristenmeile als Gasse: Kruse Hof, geht von der Rote Straße ab. Ein schmaler Schlauch von Fachwerkhäusern, kleine Läden, das Übliche: Tee, Wein, Kunstgewerbe usw. Trotzdem ist es gelungen, das Ensemble in diesem langgestreckten Hof so zu erhalten, dass man ein Gespür dafür kommt, wie früher, vor dem Tourismus, in diesen engen Gassen gelebt und gearbeitet wurde.

Rückfahrt ab Hotel: Es entspinnt sich ein Gespräch mit dem Taxifahrer über den Niedergang seines Gewerbes. Zu viele Taxis, zu wenig Geld in der Kasse. Ich beklagte mich, dass viele Taxifahrer in Berlin arbeiten, die die Stadt nicht kennen. Manche Städte des Vorderen Orients kennen sie vielleicht, aber nicht Berlin. Ich musste als studentischer Aushilfsfahrer einen Taxischein mit Ortskundeprüfung ablegen – heute dagegen scheinen etliche Taxikutscher nicht mehr in der Lage zu sein, ohne Navi die Ausfahrt vom Flughafen Tegel zu finden. „Jo! Das schafft Vertrauen!“ konstatiert der Flensburger Kutscherkollege knapp mit norddeutsch rollendem „Rrr“. Und: Da müsse man als Kunde seinen Taxifahrer nicht nur bezahlen, sondern selbst ausbilden.
Und schon weiß man – der wenigstens bringt mich gut zum Bahnhof.

Die Sendung zum Thema „Welches Land wollen wir sein?“ lief am 22. Februar, um 19.30 Uhr auf Deutschlandradio Kultur.

Köln & Humor & Häuserschmuck

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Der Rheinländer hat ein eigenes Naturell. Und einen eigenen Humor. Natürlich ist es schön, wenn man in einem Haus wohnt mit auffälliger Kunst-am-Bau. Dann kann man Besuchern immer sagen: „Ich wohn in dem Haus mit dem achteckigen Turm“. Oder: „Ihr müsst in dem Haus mit der goldenen Victoria im Erdgeschoss klingeln“ (Die Victoria ist ein Berliner Beispiel. In Köln hätte man wahrscheinlich eine vergoldete Heilige vor der Tür).
Es geht aber auch anders.

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Wie erkläre ich potentiellen Besuchern, dass ich in diesem Haus wohne: „Leichenhaus, zweite Etage“? Oder: „Geh zum Knochenmann, unten rechts läuten“? Oder: „Komm ruhig rein. Sieht düster aus, ist aber saulustig hier! Wir schunkeln auch.“?
Der Rheinländer ist dann doch wohl anders.

Laksmi Pamuntjak – Geburtstag – Schöneberg

Geburtstagsfeier mit Laksmi Pamuntjak. Wir trafen sie in Jakarta auf der Reise durch Indonesien, aus der mehrere Radiobeiträge und Zeitungsartikel entstanden.

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Auf der Frankfurter Buchmesse war sie diejenige, die mit ihrem Roman „Alle Farben Rot“ (Ullstein) die größte Aufmerksamkeit auf sich zog. Zur Zeit ist sie in Berlin und schreibt an ihrem neuen Roman. Und feierte Geburtstag in einer kleinen Runde.

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Die Trattoria a‘ Muntagnola war für jemanden, der auch als high-profile-Restaurantkritikerin bekannt ist, vielleicht nicht die allerbeste Wahl, aber uns ging`s gut.

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Sommerende – Schöneberg – Volkspark

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Die letzten Tage des Sommers. Pfeiferaucher sitzen auf Bänken, Kinder spielen im Sand,

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zwei unerschütterliche Verliebte liegen auf dem Rasen, der Nicht-Verliebten schon recht feucht erscheint. Die letzten Sommenstrahlen tragen einen wehmütigen Glanz.

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Berlin bereitet sich auf den Herbst vor.

Die Nahe – der Gast – das Seepferdchen

Zurück von einer Reise an die Nahe, von einem 3-Tage-Wellness-Urlaub im Vitalresort.
Der Urlaub – kurz wie er war- hat an sich ja auch gut funktioniert, was sicherlich der traumhaften Luft, der großen Ruhe und der guten vegetarischen Küche zu schulden war. (Wer wollte, konnte auch Fleisch bekommen, ohne war aber besser.)
Was mir hier, wie schon mehrmals in anderen Hotels unangenehm auffiel, waren die autoritären Hinweise, die unbeholfen unter einer pseudo-höflichen Sprache verborgen werden: „Gern erwarten wir Sie zwischen 18. – 19.30 zum Abendessen.“
Eigentlich will uns das sagen: Du hast eineinhalb Stunden Zeit, dann ist Schicht für dein gemütliches Abendessen mit Wein, also komm gefälligst pünktlich.
Das wagt einem kein Kellner an der Tür zu sagen, also macht man es schriftlich und mit verlogener Höflichkeit. Ehrlicherweise müssten sie schreiben: „Gern sehen wir Sie um 19.30 verschwinden.“
Ich kann nichts Genaueres über die Gäste des Hotels sagen, aber die Geschäftsführung (zumeist Ärzte) hält es für nötig, sie mit autoritär-höflichen Hinweisen an die Hausordnung zu erinnern: „Wir bedanken uns, wenn Sie Ihre Wanderschuhe am Eingang Ihres Gästehauses wechseln, stehen lassen und das Treppenhaus ohne Wanderschuhe betreten.“
Noch genauer geht es eigentlich nicht, es sein denn, die Geschäftsleitung hätte noch Vorschläge dazu, wie man korrekt eine Treppe hinauf geht, ohne Schaden anzurichten. Für den Fall, dass er das auch nicht weiß, wird der Gast unterrichtet, wie mit schmutzigen Schuhen umzugehen sei: „Für hartnäckigen Schmutz empfehlen wir eine Wasserpflege mit Reinigungsbürste, am Gästehaus außen.“
Darauf wäre man ohne Hilfe nicht gekommen. Auch der folgende Hinweis am Schwimmbecken dient der subtilen Führung einer Klientel, der man keine großen Geistesgaben zutraut: „Um die biologische Wasseraufbereitung zu unterstützen, beachten Sie bitte, vor dem Schwimmen zu duschen und vom Schwimmen abzusehen, wenn Sie gerade an einer Infektionskrankheit leiden.“ – und dann noch: „Achtung, die Treppe, Wände und der Boden können rutschig sein.“
Das hat man uns schon im Schwimmunterricht beigebracht, und bis zum „Seepferdchen“ hatten wir es auch begriffen.

Makaken Indonesien Selfies

Ein Makake-Affe von der indonesischen Insel Sulawesi mit dem Namen „Naruto“ hatte sich der Kamera eines britischen Tierfotografen bemächtigt und zwei sehr drollige Selfies von sich geschossen. Diese Bilder gingen im Internet um die Welt. Nun fordert die Tierschutzorganisation Peta, man müsse Naruto die Autorenrechte für das Selfie zugestehen und reichte in seinem Namen Klage ein.
Frage a) Wie kann das Gericht feststellen, dass Naruto sich so gut mit Peta steht, dass er diese Organisation tatsächlich mit der Klage beauftragen würde, wenn er könnte? Vielleicht sind ihm diese Leute herzlich egal und er empfindet ihre Klage in seinem Namen als Anmaßung.
Frage b) Wenn für das Selfie Tantiemen gezahlt werden, wer eröffnet für Naruto ein Konto?
Frage c) Wer verfügt über dieses Geld?
Frage d) Wenn Naruto eines Tags von dem vielen Geld ein Auto kaufen möchte, will Peta ihm dann auch das Recht erstreiten, Kaufverträge zu unterschreiben und Versicherungen abzuschließen?
Frage e) Wie bekommt Peta heraus, wann Naruto sein Bild aus dem Internet gelöscht haben möchte, um sich den ganzen Selfie-Rummel vom Hals zu schaffen?

Schlussfrage Woher weiß man, ob der Makake überhaupt „Naruto“ genannt werden will? Und ob er nicht über die Zuweisung dieses Namens (Namen sind in Indonesien sehr wichtig für Charakter und Biografie) nicht schon als Tierschützer-Übergriff ablehnt?
Mir scheint, Tierliebe kann auch durchdrehen. Aber die Selfies sind klasse. Aus Gründen des ungeklärten Urheberrechts musste leider auf einen Abdruck verzichtet werden.

Köln & Karneval & Sommer

Zurück aus Köln. Was für den Münsterländer ohnehin schwer verständlich ist, der rheinische Karneval, ist in eine neue Dimension getreten. Am Wochenende traten traubenweise verkleidete Jecken auf, geschminkt, kostümiert, gut betankt. Und johlten und schunkelten, wie es nur die Rheinländer können. Bloss: es war August nicht Februar, wenn eigentlich Karneval ist. Mir wurde erklärt, hinter dem neu erfundenen Sommerkarneval stehe eine Initiative der Kölner Kneipenwirte, die aus dem Karneval ein zweites Saisongeschäft machen wollen. Einerseits fürchtet man sich davor, dass demnächst die Vorweihnachtszeit im März beginnen könnte, andererseits sind wir es gewohnt, im Winter zum Strandurlaub zu fahren – also kann sich der Rhein-Jeck zu Recht einen neuen, sommerlichen Blick auf die vorüberfahrenden Touristenschiffe gönnen:

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