Rerik

von Paul Stänner

Rerik ist ein kleiner Ort an der Ostsee. Wirklich klein. Vermutlich verdankt der Ort seine Bekanntheit der Tatsache, dass er so klein ist, dass ihn niemand wahrgenommen hat.

Und dem Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ (1957) von Alfred Andersch. 1937 kommt ein junger kommunistischer Funktionär in das unauffällige Rerik, um einen Fischer aufzufordern, eine junge Jüdin über die Ostsee in Sicherheit zu bringen. Zugleich muss eine Barlach-Figur „Der lesende Klosterschüler“ vor den Nazis gerettet werden.

Einige der Gebäude, die der Kommunist und Widerstandskämpfer im Roman gesehen haben mag, gibt es noch.

 

Rerik liegt auf einer Landzunge. Die eine Seite mit dem Strand schaut auf die Ostsee.

 

Die andere Seite, wo im Roman der Fischer angelandet sein mag, befindet sich nach dem Ende von Nationalsozialismus und Sozialismus ein befestigter Parkplatz mit nützlichen Hinweisschildern.

 

Zum Parkplatz gehört ein wassernahes Vergnügungsareal, wo es ziemlich lekkere Fischbrötchen gibt, Sonnenöl und Postkarten. Dort blubbern überdimensionerte, von Frührentnern gesteuerte Motorräder, die mehr Lärm erzeugen als jede Ostseefähre.

Trotzdem – einen Abstecher ist es wert, wenn man sowieso gerade an der Ostsee ist. In Wismar zum Beispiel. Oder in Güstrow, wo der „Lesende Klosterschüler“ im Barlach Museum steht. Nein – sitzt und liest.

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