moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Monat: Mai, 2016

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London & die Queen & Düfte für die große Welt

Für uns Normalsprüher und -cremer ist die Sache schnell erledigt: Wir gehen zum Supermarkt oder zum Bioparfümeur unseres Vertrauens und kaufen das, von dem alle sagen, es rieche gut an uns. Aber womöglich riecht es auch gut an allen Anderen.

Das geht auf keinen Fall, wenn man ein besonderes Ego hat. Da will man besonders duften. Da geht man nach London zu Floris.

Das Geschäft liegt in der Jermyn Street Nr.89, im treuren, eleganten Stadtteil St. James.

Das Ladengeschäft  mit den dunkelbraunen Vitrinen zu beiden Seiten ist ein besonderer Ort. Der lange Tresen aus Mahagoni stammt von der Weltausstellung von 1851. Hier drinnen ist es ruhig. Es gibt keine angeblich verkaufsfördernde Dudelmusik, es herrscht kultivierte, konzentrierte Stille. Düfte sind Kunstwerke, die ohne Ablenkung genossen werden wollen.

1730 gründete Juan Famenias Floris, der von der Insel Menorca eingewandert war, ein Geschäft als Barbier und Kammhersteller, wandte sich aber schnell den Düften zu. In der Jermyn Street richtete er einen Laden ein und darüber sein Wohnhaus. In diesem Gebäude befinden sich noch heute das Geschäft und Büroräume – allein für den Erwerb des Grundstücks dürfte Edward Floris, der in der 9. Generation das Geschäft  führt, seinem Vorfahren auf Knien danken.

Große Namen leben in den Geschäftsbüchern des Parfümeurs: Florence Nightingale versuchte dem Gestank der Lazarette im Krimkrieg mit Floris` Hilfe zu entkommen. Mary Shelley vertrieb Frankensteins Leichengeruch mit Floris und die elegante Skandalnudel Beau Brummell diskutierte mit dem damaligen Geschäftsinhaber  seine aktuellen Vorlieben. Selbst Bond, James Bond, duftet nach Pulverdampf und Floris, genau: No 89. (Die Hausnummer, kann sich James mit seinem Martini-Kopp leicht merken.)

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Karaffe bei Floris mit unbekanntem Inhalt, aber viel versprechend

Durch das Ladengeschäft  hindurch schlendert  die Kundin/ der Kunde in das Arkanum von Floris. Es ist ein nahezu rechteckiger Raum, wiederum mit Vitrinen ausgestattet, in denen Tuben, Flacons und Pinsel für das stilvolle Rasierritual präsentiert werden.

Hinter einem Schreibtisch wartet Nicola Pozzani, eine schmächtige Gestalt mit großer Brille und weißem Kittel. Gemeinsam mit einer Kollegin ist er der Duftzauberer der Jermyn Street.

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Nicola mit seinem „Archiv“ voller Essenzen

Die Beratung seiner Kunden sei, erzählt Pozzani, eine sehr persönliche Angelegenheit. Schließlich rühre die Wahl eines Duftes an tief empfundene, innerste Vorlieben und Abneigungen. Aromen lassen sich nur schwer in Sprache übertragen: Wann ist ein Duft „schwer“? Oder süß“ oder „stechend“? Pozzani hört zu, greift in seinem „Archiv“ nach einigen Flaschen mit klaren Flüssigkeiten. Damit probiert er einige mögliche Kombinationen aus. Und probiert und probiert…

Düfte haben ihr Schicksal. 1890 mischte Floris ein Wasser für den russischen Großfürsten Orloff mit den Kopfnoten Bergamotte, Lavendel, Petitgrain und Orange. Das Rezept erhielt später die Bezeichnung  Special No 127, nach der Seite, auf der es im Rezeptbuch aufgelistet war. Nach Orloff, über den Wikipedia nichts zu melden hat, übernahm der bekanntere Winston Churchill die Mischung. No 127 also war es, das 1953 der jungen Queen in die Nase stach, wenn der Premierminister zu seiner wöchentlichen Unterredung erschien. (Vermutlich konnte die Queen auch das Bukett eines leichten Morgenwhiskey erahnen, aber damit hat Floris nichts zu tun.)

 

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Die legendäre Special No 127

Wenn Nicola Pozzani sich geduldig lächelnd mit seinen Kunden zusammensetzt und passgerecht einen Duft entwickelt, kostet es bei Leuten, die schnell wissen, was sie wollen, um die 450 Pfund. Beratung und Parfüm. Es gibt aber auch Leute, die dem Zeitgeist huldigen und sich partout nicht entscheiden können/wollen. Bis zu zwei Jahre kann dann die Tüftelei dauern, was den Preis locker verzehnfacht. Trotzdem: Edward Floris, der 9. Floris, sagt, die Kundschaft  vererbe ihre Treue zu seinem Haus an ihre Nachkommenschaft. Hat man den Vater, hat man auch den Sohn.

Aber auf die Frage, was sich die Queen, die seinem Geschäft ein prestigeträchtiges Royal Warrant verliehen hat, hinters Öhrchen tupft, reagiert Raymond, der Diskrete, einsilbig. Sie trage einen Duft aus dem Angebot, keine Spezialanfertigung. Mehr gibt er nicht preis. Mit anderen Worten: So wie wir Normalsprüher und -cremer greift auch die Königin ins Regal.

Na ja – lässt greifen.

Düfte haben ihr Schicksal: Selbst Evita Peron, die argentinische Schöne, griff ins Regal. Auch sie wählte das berühmte Special No 127, den Duft von Orloff und Churchill. Aber warum wollte  sie riechen wie zwei alte Männer? Dass Winston Churchill, der dem imperialen Gedanken immer nahe stand, sich die Duftnote eines russischen Großfürsten zu eigen machte, kann man verstehen. Aber was wollte Evita? Wurde sie angelockt von der Kopfnote aus Orangenblüte, Rose und Ylang-Ylang, die am Kriegshelden  Churchill vermutlich etwas feminin wirkte, weshalb der sie mit schwerem Havanna-Qualm  überdeckte?

Oder roch sie in No 127 die Macht selbst?

Es gibt jene legendäre Episode, in der Queen Elizabeth und Premierministerin Margret Thatcher auf einander treffen und feststellen, dass sie das gleiche Kleid tragen. Wie wäre es, wenn auf dem Empfang zu ihrem 90. Geburtstag die Queen auf eine Gratulantin trifft und sie tragen beide denselben Duft? Kein Problem, sagt Raymond, der es wissen muss, jedes Parfüm riecht auf jeder Haut anders – man würde es nicht bemerken.

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Das Geschäftsbuch von Floris

Die Monarchie ist gerettet. Wir setzen uns. Wir hören zu, was Nicola uns jetzt empfiehlt…