moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Monat: Juli, 2016

Queen&Kommerz&Deutschlandfunk

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Das royal warrant bei Fortnum & Mason

 

Mit dem Royal Warrant, das die Zustimmung der königin zu einem Lieferanten siganlisiert – aber beileibe kein Qualitätsurteil abgibt – schmücken sich ca. 300 Produzenten und Zulieferer. Mit anderen Worten – die Queen macht Werbung. Was man so noch nicht bedacht hatte – dazu habe ich einen Beitrag für die Sonntagsspaziergängen im DLF gemacht: hier der Link zum Nachhören

 

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Das Kundenbuch des Parfümeurs Floris

 

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Kunst&Promenade&Geld

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Knokke-Heist in Belgien, eine offenbar recht wohlhabende Stadt mit – für einen Strandort – ausgesprochen vielen Galerien. Deren Lockangebote machen die Stadt zu einer Freiluft-Ausstellung. Der Flaneur ist hin- und hergezogen zwischen überteuerten Strandlokalen, die „auf Sylt“ machen, und Galieren, die Kunst für Ferienwohnungen verkaufen. Und geht grade aus. Ganz grade.

Haifische&Holland&Hobby

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Am Strand des „Ertrunkenen Schwarzen Polders“ gehen sie tief gebeugt. Zwischen Cadzand und Nieuwesluis ziehen sie im Gegenlicht vor der grünblau schimmernden Hintergrund der Nordsee. Sie sehen aus, als würden Sie in Buße wandeln tun.  Andere mögen am Strand toben und in die Wolken schauen – aber diese hier halten den Blick fest auf den Strand gerichtet. Was suchen sie inmitten einer millionenfachen Ansammlung von Muscheln, Muschelbruchstücken, Kieseln und Kieselchen und Klumpen von Sand?

Es sind schwarze, spitze Zähne. Haifischzähne. Kleine Haifischzähne. Man denkt, nach Kronkorkensammeln und Leistungsgrillen gäbe es wohl kaum einen abwegigeren Freizeitsport – aber nein. Haifischzahnsuchen schlägt alles.

 

Die Zähne sind in der tat etwas Besonderes – sie sind Millionen Jahre alt, stammen aus dem Päleozän, Eozän, Oligozän, Milozän, Pilozän und manchmal auch vom Pleistozän. Ich erwähne das für den Fall, dass diese Begriffe irgendjemandem etwas sagen. Sie sind also alt und demzufolge angemessen schwarz. Weswegen man Augen haben muss wie ein Luchs, um die letzten Überreste vergangener Haie zu finden.

 

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Einen tief gebeugten Herren im Rentenalter habe ich gefragt, was er dort tue und er erklärte mir, er suche Haifischzähne. Als sei das ganz und gar normal. Ich hatte auch den Eindruck, dass er mich für etwas weltfremd hielt, weil ich vom Haifischzahnsammeln nie gehört hatte.

Um die Zähne von heringsgroßen Haien zu finden, braucht man extrem scharfe, auf das Objekt geschulte Augen und naturgemäß angemessene Hilfsmittel. Was gut ist für Goldwäscher, ist auch gut für die Haifischzahnsucher. Irgendwer hat die Marktlücke erkannt und gleich genutzt: Schon hat sich eine Zahlsucherindustrie etabliert.

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Hat man dann seine mühsam ersammelte Beute (Details erfahren Sie bei Nacken und Rücken und tränenden Augen), steht man mit seinem Eimerchen zuhause und fragt sich: Was mache ich damit? Was kann man mit den Zähnchen machen? Nichts!

Wegwerfen geht auch nicht – es steht Arbeit, Sammelleidenschaft, Freizeiterinnerung und das kritische Gefühl darin, einen ganzen Nachmittag lang einer sinnfreien Beschäftigung nachgegangen zu sein. Die Zähnchen haben definitiv einen Wert bekommen.

Nun gut – jetzt liegen die nadelspitzen Zähnchen im Badezimmer in einem alten Marmeladenglas und erinnern mich an einen Strandurlaub und daran, dass ich mir die Zähne gut sauber halten muss, damit nicht eines Tages neben den schwarzen Zähnchen ein Glas mit weißen Zähnen steht. Sie haben eine Lehre für mich!IMG_7949

Vielleicht liegen sie auch einfach nur herum.

Pfaueninsel & Glas & Alchemisten

Johann Kunckel auf der Pfaueninsel

 

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Schloss auf der Pfaueninsel

Auf der Pfaueninsel im Berliner Wannsee wird eine kleine Ausstellung eröffnet. In der so genannten Meierei, die am nördlichen Ende der Insel liegt und früher der Milcherzeugung diente: dort wird an das Wirken des Alchemisten Johann Kunckel erinnert. Kunckel sollte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit seinen Experimenten den brandenburgischen Staatshaushalt sanieren. Rubinglas hieß das Zauberwort.

Glas kannten schon die alten Römer und in Venedig konnte man es für teures Geld kaufen. Da fragt man sich, warum musste auf der einsamen Insel abseits der Residenzstädte Berlin und Potsdam mit etwas experimentiert werden, was schon längst erfunden worden war?

Im 17.Jahrhundert aber waren gerade die königlichen und fürstlichen Landesherren  besessen von der Suche nach der so genannten „Transmutation“, also der Umwandlung von weniger wertvollen Stoffen in wertvolle Stoffe. Kerngedanke war die Verwandlung von billigen Metallen in Reichtümer bildendes Gold.

Wie man das schafft, das sollten die Alchemisten herausfinden. Oder – wenn das nicht ging, dann sollten sie wenigstens aus Allerwelts-Mineralien Edelsteine schmelzen.

Johann Kunckel war 1635 in Plön in Holstein geboren worden. Er hatte eine Ausbildung zum Glasmacher und Apotheker durchlaufen, hatte sich verdient gemacht um die Entdeckung des Phosphors und andere naturwissenschaftliche Erkenntnisse.

Der Große Kurfürst von Brandenburg hatte 1678 Johann Kunckel von seinem sächsischen Standeskollegen abgeworben und finanzierte dessen Glasexperimente. Der Kurfürst überließ Kunckel 1685 die Pfaueninsel – „erb- und eigentümlich“, wie es hieß. Damit Kunckel das Glas schuf, das dem Edelstein so ähnlich war wie nur möglich.

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Die Meierei – hier wurde Glas geschmolzen

Der Standort auf der Pfaueninsel hatte einleuchtende Vorzüge. Zum einen half die Insellage bei der Geheimhaltung, obwohl ein einigermaßen geübter Schwimmer die Strecke bis zum Festland leicht in 10 Minuten schafft. Die Pfaueninsel war nicht „Alcatraz“ und so war das kurfürstliche Verbot, dass allen Bewohnern der Insel – also Kunckels Mitarbeiter und Familien – strengstens untersagte, das Eiland in der Havel zu verlassen, ein hilfreiches Machtwort. Zum Ausgleich durften sie Bier brauen.

Außerdem war die Insellage hilfreich wegen der allgegenwärtigen Brandgefahr im Labor. Kunckel selbst war einmal ein Stall abgebrannt, in dem eine Ladung Knallquecksilber hochgegangen war.

In der Tat gelang es ihm, das Goldrubinglas in einem hochkomplexen Verfahren standardisiert herzustellen. Dank Kunckel konnte es sogar zu Gefäßen geblasen werden. Das war Hightech im 17. Jahrhundert. Aber es ging nicht nur um Technik. Dem EdelsteinRubin, der durch die Glasexperimente nachgeahnt werden sollte, wruden viele positive Eigenschaften nachgesagt. Er verleihe Kraft, schütze gegen Krankheit und vieles andere mehr – diese Wirkungen erhoffte mach sich auch von dem Glas, das Kunckel auf der Pfaueninsel zusammenrührte.

Denn die Alchemisten, die man sich heute gern als zauselige Bartträger, umgeben von geheimnisvollen Töpfen und qualmenden Tiegeln vorstellt, strebten nicht nur nach materiellen, sondern auch nach höheren Werten.

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Alchemist in der Ausstellung  – Prototyp

Den Alchemisten ging es darum, aus etwas Unreinem Reines entstehen zu lassen (Sand zu Glas) und dazu ging es ihnen auch darum, sich selbst zu läutern und zu verbessern. Man glaubte, wenn man eine Woche gefastet hat oder keine schlechten Gedanken hatte, dass man dann auch bessere Produkte herstellen kann – das würde auch heute noch 80% der, die als Coaches arbeiten, unterschreiben. So weit sind wir heute von der Alchemie nicht entfernt.

Die schöne Forscherwelt auf der Pfaueninsel währte nur drei Jahre. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1685 fiel Kunckel in Ungnade, sein Labor wurde durch Brandstiftung vernichtet. Kunckel ging nach Schweden als königlicher Berater für das Berg- und Hüttenwesen und wurde dort für seine Verdienste geadelt.

Die Pfaueninsel aber wurde zur Schatzinsel, denn die Berliner suchten im Schutt des Labors nach den roten Schein-Edelsteinen. Zum Ärger heutiger Archäologen, die kaum noch Spuren von Kunckels Wirken gefunden haben.

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