Antwerpen & Bahnhof & Terror

 

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Der Bahnhof von Antwerpen ist eine Kathedrale der technischen Moderne. Der Reisende geht von den tiefliegenden Gleisen über breite Treppen immer weiter aufwärts, den Blick unabwendbar in die endlos hohe, weitgespannte Glasdecke gerichtet, die den Bahnhof überdacht. Mit fast gotteslästerlicher Frechheit hat der Architekt die Stirnseite der Bahnhofshalle wie einen christlichen Hochaltar gestaltet – eine herausfordernde Geste der menschgemachten Technik gegen die göttliche Fügung.

Auf den Absätzen der Bahnhofstreppen patrouillieren Soldaten mit Sturmgewehren und schwerer Ausrüstung, die nicht fotografiert werden wollen. Die Sorge vor islamistischen Anschlägen geht um.

Man denkt: Der Terror von Gottesfürchtigen fordert die von der gottlosen Technik geprägte Gesellschaft heraus.

Später wird in ihrer Wohnung die Schriftstellerin Saskia de Coster sagen, sie halte das eher für Folklore. Sie wisse nicht, was diese Soldaten dort eigentlich bewirken sollen. Und wenn sie da schon stünden, müssten sie statt ihrer gefleckten Tarnanzüge in Herbstlaubfarben doch eher eine Camouflage mit Backsteinmuster tragen.

Mehr zu Saskia de Coster in der Sendung „Schreiben im Bruegel-Land“ im Kulturradio vom rbb, am 15.10. 2016, um 19.04

 

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