moepkenbrot

Möpkenbrot ist eine westfälische Spezialität aus Blut, Schwartemasse und gewürfeltem Speck, dazu Roggenmehl oder Roggenschrot. Am besten schmeckt es heiß aus der Pfanne. Möpkenbrot macht satt und glücklich. In diesem Zustand neigt der Westfale dazu, die Welt mit heiterer Gelassenheit zu betrachten.

Soeben erschienen

Meine neues Buch – über Brandenburg. Mit Geschichte und Geschichtchen. So wie das Land ist.

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Und darum geht`s:

Brandenburg, das Kernland Preußens, galt immer als ein beklagenswert dürres Land. „Des heiligen römischen Reiches Deutscher Nation Streusandbüchse“ lautete jahrhundertelang sein Spottname, weil hier landwirtschaftlich nicht viel zu holen war. Die Kargheit der Region übertrug sich auch auf die Namensgebung der Herrscherhäuser – der amtierende Regent war entweder ein Wilhelm oder ein Friedrich. Aus einem kreativem Überschwang heraus nannten sich einige der Hohenzollern auch Friedrich-Wilhelm, aber erschrocken vor so viel Vielfalt kehrten sie gleich zu der Gewohnheit zurück, die Herrscher staubtrocken durchzunummerieren. Für die Geschichtsschreibung hat diese Fantasiearmut zur Folge, dass man höllisch aufpassen muss, bei welchem der Friedrichs oder Wilhelms oder Friedrich-Wilhelms man sich gerade aufhält.

Brandenburg-Preußen war immer auf Berlin konzentriert. „Ein Berliner Witz ist mehr wert als eine schöne Gegend“,  soll Philosoph Georg Wilhelm (!) Friedrich (!) Hegel gesagt haben. Für jemanden, der es bei dem Versuch, dem Zwang der preußischen FrWi-Tradition zu entkommen, nicht sehr weit geschafft hat, war das ein ziemlich kesser Spruch. Man könnte einräumen, dass hier die Gedankenvernarrtheit des Hegelschen Idealismus in einem hübschen Aphorismus zusammen gefasst wurde,  aber auf den Boden der tatsächlichen Wirklichkeit zurückgekehrt muss man sagen: Hätte er nur seinen Katheder in der Humboldt-Universität zu Berlin verlassen und wäre er mal nach Brandenburg gereist!

Brandenburg bietet Landschaft im Überfluss, die heute vielleicht noch mehr als früher geschätzt wird. Und diese Landschaft bietet, wie die Skulpturen und Monumente in einer gestalteten Park, viele Zeugnisse einer aufregenden Geschichte. Militärgeschichte natürlich, das ist beim Thema „Preußen“ unvermeidlich, aber auch Geistes- und Wirtschaftsgeschichte. Man kann den Führer zu „111 Orten in Brandenburg, die uns Geschichte erzählen“, Episode für Episode lesen, um sich eine Vorstellung von Brandenburg zu machen, man kann aber auch diese Orte zu einer Reise-Route zusammenstellen und dabei den unmittelbaren Eindruck auf sich wirken lassen. Beides ist möglich und beides ist schön.

 

Mehr kommt später…

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Berlin im Nebel – eine Verbrecherstadt      

Start-up

2016-nov-nahe-rosenthaer-platz-2       Von wegen Kaffee! – Berlin nahe Rosenthaler Platz

Amsterdamer Bahnhof & Flügel & Kultur

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Ich stelle mir vor, dieser Flügel, der in Amsterdam im Hauptbahnhof steht, stünde in Berlin im Hauptbahnhof.
Gleich stellen sich folgende Fragen:
– welche Behörde würde das genehmigen? (Unfallgefahr! Haftung! Wegerecht!)
– wie lange braucht es, bis der erste Srayer kommt ?
– wie lange braucht es, bis der Flügel mutwillig verstimmt oder ramponiert wäre?
– wann würde die AfD Einspruch erheben: Schwarzer Flügel! Unmittelbar vor dem Kanzleramt!

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Saurier & Angst & Schrecken

 

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Schon allein für das lustvole Gruseln möchte man noch mal Kind sein. Ein Abenteurer in verlorenen Welten mit unbekannten, kaum auszumalenden gurseligen Gefahren. Wo riesige Saurier, die noch größer und lauter sind als die Erwachsenen Angst und Schrecken verbreiten. Soviel Schrecken, dass nur der ganz besonders mutige Jäger den Saurier töten kann. Mit dem Spieß! Oder dem Schwert? Wahrscheinlich doch ein Spieß!

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Und dann läuft einem wieder so ein dicker, ungehobelter Erwachsener mit Glatze und schlechten Zähnen durch das Bild und man weiß, man ist kein Kind mehr, dies ist keine verlorene Welt, sondern das Naturkundemuseum in Berlin.

So ein Spieß könnte aber hilfreich sein…

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Herbst & Niederlande & Knokke

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Knogge im Oktober

Das war`s dann mit dem Sommer, es wird Herbst. Und Schluss ist mit dem leichten Leben.

Amsterdam & Boote & Geschmack

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Man zieht um

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Man ist cool

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Man liegt rum.

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Man liegt rum.

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Man ist wirklich mutig.

Der Amsterdamer und seine Amsterdamerin lieben Boote und Grachten. Als Besucher schaut man sich die Boote an und entdeckt, dass ihr Design einer traditionellen Ästhetik folgt, die dem holländischen Bootsbauer-Gen seit alter zeit innewohnt: Es ist der Holzschuh, die seit Jahrhunderten überlieferte Fußbekleidung, die Matsch und Wasser trotzt. Wie mir ein westfälischer Holzschumacher erklärte, erfüllen Holzschuhe, die vom Meister geschitten werden,  Arbeitsschutznormen, weil sie eine Hitze von 400 Grad und einen Druck von 1000 Kilogramm  ertragen. Ungefähr nach diesen Vorgaben wählen die Amsterdamer ihre unverwüstlichen Grachtenfahrer aus. Das ist jetzt nicht die ganz leichte Eleganz, bietet aber trotzdem einen staunenswerter Anblick.

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Man feiert!

Antwerpen & Bahnhof & Terror

 

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Der Bahnhof von Antwerpen ist eine Kathedrale der technischen Moderne. Der Reisende geht von den tiefliegenden Gleisen über breite Treppen immer weiter aufwärts, den Blick unabwendbar in die endlos hohe, weitgespannte Glasdecke gerichtet, die den Bahnhof überdacht. Mit fast gotteslästerlicher Frechheit hat der Architekt die Stirnseite der Bahnhofshalle wie einen christlichen Hochaltar gestaltet – eine herausfordernde Geste der menschgemachten Technik gegen die göttliche Fügung.

Auf den Absätzen der Bahnhofstreppen patrouillieren Soldaten mit Sturmgewehren und schwerer Ausrüstung, die nicht fotografiert werden wollen. Die Sorge vor islamistischen Anschlägen geht um.

Man denkt: Der Terror von Gottesfürchtigen fordert die von der gottlosen Technik geprägte Gesellschaft heraus.

Später wird in ihrer Wohnung die Schriftstellerin Saskia de Coster sagen, sie halte das eher für Folklore. Sie wisse nicht, was diese Soldaten dort eigentlich bewirken sollen. Und wenn sie da schon stünden, müssten sie statt ihrer gefleckten Tarnanzüge in Herbstlaubfarben doch eher eine Camouflage mit Backsteinmuster tragen.

Mehr zu Saskia de Coster in der Sendung „Schreiben im Bruegel-Land“ im Kulturradio vom rbb, am 15.10. 2016, um 19.04

 

Salzburg & Jedermann & und Geld und Teufel

 

 

Zum „Jedermann“nach Salzburg:

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Das Spiel beginnt mit einem Maskenumzug der Darsteller, Das Spiel beginnt mit einem Maskenumzug der Darsteller,

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die zum Dom ziehen, umgeben von vielen Menschen, die sich dicht an die Figuren und Musiker drängen, um mit Handys oder Tablets Fotos zu machen.

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Dann vor dem Dom eine langgezogene Bühne quer zum Gotteshaus. Der Bühnenbau ist sparsam, eine erhöhte Fläche als Spielort, eine Reihe von Tischen für ein Gelage, Pfosten, um Tücher hochzuziehen oder Engel in der Luft schweben zu lassen.

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Faszinierend die Puppen: der riesige Kopf des Mammon, der aus einer Geldkiste herauskommt (wie kam er da hinein?) und dann kommen noch Arme und Beine dazu, die der Figur angesteckt werden. Aus dem Kopf erhebt sich noch der Schauspieler des Mammon, der im Kopf seine Spielfläche hat.
Einleuchtend und ergreifend auch die Puppe, die Jedermanns gute Taten darstellt: sie ist klein und schmächtig mit dünnen Ärmchen und Beinchen, die die Schauspielerin mit Stöckchen bewegt – natürlich sind die guten Taten unterernährt, selbst hilfsbedürftig und doch sind sie es, die den Jedermann vor der Verdammnis retten müssen. Sie und der Glaube. Wenn es denn gut geht….

Ergreifend: Der lange, langsame Gang des Todes von rechts nach links mit einem toten Mädchen auf dem Arm, nur um dem Jedermann eine Mahnung von gerade einmal einem Satz zuzurufen, dass er die Zeit nicht verschenken soll.
Das Publikum – atemlos still. Gelegentlich weibliches Gekicher, weil der Teufel, ein rot gekleideter, feister, urviehhafter Mann mit gewaltigem Gemächt, seine Genitalien angeberisch & lustvoll schaukeln lässt.
Im Publikum Arzt und Polizei – wer immer den westlichen Lebensstil verachtet, hätte hier reichlich zu verachten. Man hat Geld (die Eintrittskarten sind nicht billig, ich habe für einen Platz in Reihe 14 €105 gezahlt) und zeigt dies auch in der Kleidung. Vele Frauen tragen Dirndl oder doch eine aufgewertete Version, die auf die alte Tracht zurückgeht. Männer tragen vielfach Lederhosen, knielang, und verziert mit aufgenähten Applikationen oder eingepunzten Mustern. Man trägt, was ich schön finde, regionalen Chic. Der geht schnell in den vierstelligen Bereich, vor allem, wenn er in Salzburg gekauft und bezahlt wurde.

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Nach dem Stück die andere Parade – nicht mehr Schauspieler mit grotesken Masken, die mahnen, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, sondern schwarze Nobel-Audi mit jungen Fahrern in schwarzen Anzüge, weißen Hemden und schwarzen Krawatten – die Großkopfeten und die anonymen Banker lassen sich standesgemäß aus der Gefahrenzone tragen.

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Das Lokal vor Mozarts Geburtshaus (wie eine große Schrift verkündet) versammelt nach der Vorstellung die feine Gesellschaft Salzburgs in Dirndl, Lederhose und Armanis zum Champagner an den Tischen mit gesteiften, weißleinenen Decken oder (für die, die mehr brauchen und das zügig) am Stehtisch nahe dem Tresen.
Ein Kenner der Stadt empfindet den „Jedermann“ als masochistisches Spiel – in Salzburg gibt es eine reiche Oberschicht, die auch gern zeigt, was sie hat – und die lässt sich im Stück erklären, wie unwichtig Geld ist und wie wichtig dagegen gute Taten.
Autor Von Hoffmannsthal und Erst-Regisseur Max Reinhardt (der vor Salzburg ein Schloss besaß, das später die Nazis als jüdischen Besitz enteignet haben) haben das Stück als moralisch-monetäres Gruselspielevent konzipiert. Die Konfliktstellung: Glaube-an-das-Geld versus Glaube-an-Gott/Kirche.
Ist das glaubwürdig? Zumal die prachtvolle Domfront als Kulisse ja eben nicht von der Verachtung des Geldes zeugt: Genau genommen denkt die Kirche über Geld ganz anders.
Am Ende ziehen alle in einem lustigen Festumzug dem Tod (ganz in weiß) hinterdrein.

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Queen&Kommerz&Deutschlandfunk

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Das royal warrant bei Fortnum & Mason

 

Mit dem Royal Warrant, das die Zustimmung der königin zu einem Lieferanten siganlisiert – aber beileibe kein Qualitätsurteil abgibt – schmücken sich ca. 300 Produzenten und Zulieferer. Mit anderen Worten – die Queen macht Werbung. Was man so noch nicht bedacht hatte – dazu habe ich einen Beitrag für die Sonntagsspaziergängen im DLF gemacht: hier der Link zum Nachhören

 

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Das Kundenbuch des Parfümeurs Floris